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Blaulicht eines Polizeiwagens

Anfrage 1 nach §26 GO des Kreises RD-ECK zur Kreistagssitzung am 16.3.2026




Zur Kreistagssitzung am 16.9.2024 stellte die WGK-Fraktion mehrere Anfragen zur Eskalation der Jugendgewalt im Kreis RD-ECK. Vorausgegangen war ein Überfall auf zwei Kunden des REWE-Marktes in Eckernförde, in dessen Verlauf die beiden Kunden von einer achtköpfigen Jugendgruppe brutal zusammengeschlagen wurden.

Das kreisgeförderte Streetworkprojekt in Eckernförde stellte eine „ruhige Gesamtlage in Eckernförde“ fest. Auch der Kripochef in Neumünster betonte, dass es „keine Erkenntnisse darüber gäbe, dass die Jugendgewalt vor Ort eskaliere“. (siehe Niederschrift der Kreistagssitzung vom 16.9.2024).

Der Tageszeitung (EZ) war der gleiche Tenor zu entnehmen, hier wurde der Kripochef zusätzlich zitiert, dass man bezüglich des beschriebenen Überfalls von einer Einzeltat ausgehe, welche sich so in Eckernförde nicht wiederholen werde.

Vor wenigen Tagen wurden wir eines Besseren belehrt, als offensichtlich ein Drogendeal am gleichen Ort in Eckernförde eskalierte und ein 15jähriges Todesopfer forderte.

Den offiziellen Polizeikanälen ist am heutigen Tage zu entnehmen, dass es sich wieder um einen Einzelfall handele und die Öffentlichkeit nicht bedroht sei.

Spricht man in Eckernförde und Umland mit Jugendlichen und dessen Eltern, wird von ihnen ein anderer Zustand im Ostseebad wahrgenommen: Drogendeals, Bedrohungen, Einschüchterungen sowie körperliche Gewalt stünden hier an der Tagesordnung. Sogar Menschen mit geistigen Behinderungen, welche im Heilpädagogium betreut werden, seien Opfer der massiven Gewalt durch jugendliche Gangmitglieder geworden, weil sie für diese nicht mit Drogen dealen wollten.

Auf unsere Frage zur Kreistagssitzung am 16.9.2024, welche Möglichkeiten wir als Kreispolitik hätten, der zunehmenden Jugendgewalt entgegenzuwirken, antwortete der Fachbereich Jugend, Familie und Sport des Kreises u.a.:

Im Rahmen der Jugendhilfe im Strafverfahren arbeiten die Mitarbeitenden des Jugend- und Sozialdienstes mit den Täterinnen und Tätern. Bereits zu Beginn der polizeilichen Ermittlungen wird die Jugendhilfe im Strafverfahren verpflichtend involviert und hat im Rahmen der Arbeit mit den Täterinnen und Tätern verschiedene pädagogische Möglichkeiten.“ (siehe Niederschrift der Kreistagssitzung vom 16.9.2024)

Der WGK vermittelt sich der Eindruck, als wolle man der Wahrheit nicht ins Auge sehen. Und es scheint, dass die zuständigen Personen und Institutionen sich mehr mit den Tätern als mit den Opfern beschäftigen. Scheinbar handelt es sich mittlerweile nicht „nur“ um Jugendgewalt, sondern um strukturelle Gewalt mit Einfluss aus dem organisierten Milieu. Aus diesem Grund haben wir erneut Fragen:

  1. Wann wurde das Streetworkprojekt Eckernförde zuletzt im Jugendhilfeausschuss des Kreises, welcher gem. §71 Abs. 3 SGB VIII für die inhaltliche Befassung mit dem Themenkomplex „Jugendgewalt und Prävention“ zuständig ist, vorstellig?
  2. Wie ist es zu erklären, dass von Seiten des kreisgeförderten Streetworkprojektes eine „ruhige Gesamtlage in Eckernförde“ dargestellt wird, die Mehrheit der Jugendlichen in Eckernförde und Umland aber eine andere Wahrnehmung schildern?
  3. Wie ist es zu erklären, dass die Polizei wiederholt von Einzelfällen spricht, während immer mehr Mütter und Väter schildern, wie ihre Kinder in den vergangenen Jahren Opfer von körperlicher Gewalt in Eckernförde wurden?
  4. Wann wird das Augenmerk auf die vielen Opfer und nicht auf die Gruppe der Täter gelegt? Wann wird eine verlässliche Stelle geschaffen, bei der betroffene Jugendliche anonym Hinweise zu den Gewalttätern und Drogendealern geben können, ohne Angst um Leib und Leben haben zu müssen?

Frank Dreves

WGK-Fraktion